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In stillgelegten Bergwerksstollen entsteht unter bestimmten
Voraussetzungen ein Mikroklima, das Personen mit Atemwegs-problemen sehr
gut tut.
Im Klimastollen Prettau finden Sie ganz spezielle mikroklimatische
Verhältnisse vor. Der Klimastollen befindet sich ca. 1.100 Meter im
Berginneren und soll ein Ort der Ruhe, Entspannung und Erholung sein.
Klimastollen: Herr Professor Deetjen, was versteht man unter
Speläotherapie und wie wirkt sie?
Deetjen: Speläotherapie heißt übersetzt Höhlentherapie.
Diese Therapie wurde durch Zufall entdeckt: Als während des Zweiten
Weltkriegs im Ruhrgebiet die Bombenangriffe zunahmen, suchten die Personen
in der so genannten Kluterthöhle in Ennepetal im Sauerland Zuflucht. Dabei
beobachtete ein aufmerksamer Arzt, dass sich Leute mit chronischen
Lungenerkrankungen und Asthmapatienten immer wohler fühlten und ihre
Krankheiten sogar ausheilten, je länger sie sich in dieser Höhle
aufhielten. Warum? In feuchten Höhlen ist die relative Luftfeuchtigkeit
nahe dem Sättigungsgrad, also bei 100 Prozent. Deswegen werden alle
Schwebstoffe und Allergene in der Luft gebunden und schlagen sich an den
feuchten Wänden nieder. In diesen Stollen findet man also allerreinste
Atemluft. Luft kann umso mehr Wasserdampf aufnehmen, je wärmer sie ist. In
den kühlen Stollen liegt die Temperatur zwischen 8 und 10 Grad Celsius.
Obwohl die Luft fast vollständig mit Wasserdampf gesättigt ist, ist aber
absolut gesehen sehr wenig Wasser in ihr. Wenn sich die Luft beim Einatmen
auf 37 Grad Körpertemperatur erwärmt, kann die Atemluft, um gesättigt zu
sein, noch eine ganze Menge Wasser aufnehmen. Dieses Wasser wird nun bei
der Luftpassage durch die zuführenden Atemwege aus den Schleimhäuten
herausgesaugt, die oft durch chronische Entzündungen oder Asthma
bronchiale geschwollen sind. Dadurch gehen die Schwellungen zurück und die
Leute können freier atmen.
Klimastollen: Bei welchen Krankheitsbildern ist es sinnvoll,
die Speläotherapie anzuwenden?
Deetjen: Sowohl bei akuten obstruktiven Atemwegserkrankungen
wie Asthma bronchiale als auch bei chronischen obstruktiven
Lungenerkrankungen wie chronischer Bronchitis und beim Lungenemphysem.
Obstruktiv heißt, dass die Atemwege verengt sind. Ähnliche
Auslösemechanismen wie das Asthma bronchiale haben auch die so genannten
atopischen Erkrankungen wie Neurodermitis und Heuschnupfen. Dann sind das
allergische Asthma bronchiale zu nennen, das infektbedingte Asthma
bronchiale und schließlich einige postinfektiöse Symptome wie sie z.B.
beim Keuchhusten auftreten.
Quelle: Informationsblatt
des KLIMASTOLLEN PRETTAU Ausgabe 1, 2004
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